Archiv - 2015 Pilgerwanderung

Pilgerbericht: 500 km auf dem Jakobsweg

Unterwallenstadter Pilger laufen von Saint-Jean-Pied-de-Port in Frankreich bis ins spanische Leon.


zum Zeitungsartikel vom Obermaintagblatt aus Lichtenfels

 

Pilgerbericht 2015 von Thun nach Genf

25. Juni 2015, der langersehnte Starttag ist endlich gekommen. Es ist wieder soweit, unsere jährliche Pilgertour auf dem langen Weg, von Lichtenfels nach Santiago de Compostela, dem Endziel unserer Reise, kann beginnen.

In Kleukheim hole ich die drei Kleukheimer ab, die Eveline, die Susanne und die Adelgunde, in Prächting steigt Winni zu. Vollbepack mit unseren Rücksäcken und freudigen Erwartungen, machen wir uns auf den Weg nach Bad Staffelstein, um mit dem Zug nach Bamberg zu fahren. Am Kiosk lasse ich meine Stöcke stehen und bemerke dies im letzten Moment. Mit vollem Gepäck durch die Unterführung zurück, Hans, der Zug kommt schon, ruft es, im Eilschritt zurück. Gerade noch erwischt! Aber das war der falsche Zug. Wir wollten eigentlich später fahren, dann hätten wir in Bamberg nicht umsteigen müssen. Geht ja schon gut los! In Bamberg, stoßen Marion, Albert und die drei Effeltricher Madl dazu. Begrüßungsküsschen und aufrichtige Freude bei allen.

Sieben Frauen und drei Männer, wird das gut gehen? Aber wir kennen uns ja nun schon jahrelang und sind viele Kilometer gemeinsam auf dem Pilgerweg gegangen.

Nach einer kurzweiligen fröhlichen Bahnfahrt, über Würzburg, Frankfurt und Basel, treffen wir in Thun ein, dem Ziel unserer letztjährigen und Startpunkt der heurigen Tour. Nach der langen Anfahrt, war nur noch ein kurzes Stück Weg geplant, aber nachdem wir uns schon in Thun dreimal verlaufen haben und erst nach mehrmaligem Fragen den Einstieg in den Jakobusweg fanden, wurden doch noch 12 km bis Amsoldingen daraus. Nach einem Klasse-Abendessen und gutem Wein auf der Terrasse, im Schatten der 2 ½ Tausender Niesen und Stockhorn mit romantisch beleuchteten Gipfelkreuzen, verbrachten wir eine angenehme Nacht im Gästehaus Rosalie.

Am nächsten Tag vor dem Abmarsch trafen wir uns in der stilvoll renovierten Dorfkirche aus dem Jahre 933. Die Kirche ist das größte romanische Bauwerk im Kanton Bern. Um 1300 entstand in der Kirche das riesige Christophorus-Gemälde, welches die Wanderer auf dem Jakobspilgerweg vor dem Unfalltod schützen sollte. In der Krypta stimmten wir uns bei Gebet, Gesang und Pilgersegen auf die weiteren Tage ein.

Der 2. Tag führte uns über gut 20 km (zum Einlaufen) nach Ruegisberg zum Gasthaus Bären - ein heißer Tag mit viel Sonne und immer die beiden Gipfel von Niesen und Stockhorn im Rücken. Unterwegs konnten wir uns an einer eigens für Pilger eingerichteten Getränkestation kostenlos laben und erfrischen. Denn Abend ließen wir gemeinsam bei gutem Essen im Gasthaus Bären ausklingen.

Der Samstag, unser 3. Tag, begann mit Regentropfen. Morgens versorgten wir uns in der Käserei mit Proviant für den Tag, denn dort findet man, wie auch bei uns, während des Tages kein offenes Lokal oder Geschäft. Wie das Sonnenlicht am Morgen, auch durch trübe Wolken bricht, so kam auch heute die Sonne. Mit dem Sonnenschein veränderte sich auch die Bergkulisse und nun rückten die Viertausender Eiger, Mönch und Jungfrau ins Blickfeld. Beeindruckend leuchteten die schneebedeckten Gipfel. Auf dem langen Weg, 30 km bis Tafers, hielten sich die Mädels tapfer. Immer wendeten wir uns um, um den herrlichen Anblick dieser Bergkette zu genießen. Das Hotel Taverne in Tafers, wo wir Quartier bezogen, entpuppte sich als Pizzeria: Gutes Essen und gutes Bier, ein schöner Abend in einem schönen Städtchen. In der Jakobuskapelle neben der Pfarrkirche wird eine Pilgerrettung durch die Anrufung des Heiligen Jakobus dargestellt. In der Kirche von Tafers sind die Mahnbriefe des Bischofs aus dem 19. Jahrhundert an die Pilger der örtlichen Bruderschaft ausgestellt. Sie sollten beim Jakobusfest nicht zu ausschweifend feiern.

Sonntag - von Tafers nach Autgny. Als erste Zwischenstation begrüßte uns Fribourg, eine schöne Stadt mit vielen alten Bauten und Brücken. Die vielen „Fotomotive“ am Weg beeindruckten uns alle. Beim Aufstieg zur Kathedrale von Fribourg laden uns lange die Glocken zum Sonntagsgottesdienst ein. Es fanden sich nur wenige Leute in der großen Kirche ein, alles auf Französisch. Mittags erreichen wir Roumont. Die kleine schöne Stadt auf dem Berg bildet eine besondere Fotokulisse, fast wie Rovinnie in Istrien. Der Weg, sonnig bei 28° und 28 km weit geht und immer bergauf bergab. Lamas und Pfaue waren auf dem Weg zu bestaunen ebenso die letzten Blicke auf die Viertausender. In Autgny bei Dominique bekamen unsere Damen eine schöne Ferienwohnung. Zum Abendessen wurden wir in einen Nachbarort gefahren, weil es in der örtlichen Gaststätte kein warmes Essen gab. Dort servierte uns ein Ehepaar ein Diner vom Feinsten unter den Kastanienbäumen ihres Gartens. Im Aufenthaltsraum im Domizil gab es endlich Gelegenheit, mal wieder Schnauz zu karten.

Der 5. Tag. Wieder fast 30 km nach Moudon. Unterwegs, gibt es viele Kirchen, hauptsächlich reformierte und viele Stempel, immer wieder ein Gebet, wie täglich und von Albert vorbereitet und alle beteiligen sich abwechselnd beim Vortragen und immer unser Jakobus Pilgerlied zum Schluss. Die letzte Stunde Wegs geht am Fluss entlang zum Hotel la Gare am Bahnhof. Als Eselsbrücke, um sich den Namen merken zu können, heiße ich jetzt Bahnhof. Die Französischkenntnisse werden immer wichtiger und Monika entpuppt sich als gelehrige Schülerin und Übersetzerin. Ein schönes Abendessen in der Stadt bei portugiesischen Wirten und ein ruhiger Abend trotz Bahnhof runden den Tag ab.

Der Weg von Moudon nach Lausanne war lang und 30° heiß. Endlich hatten wir das Ortsschild im Blick und vor uns lag der Genfer See. Aber der Weg war noch lange nicht zu Ende. Auf dem Herweg hatten wir uns schon im Wald verloren und getrennt, da ich einen Wegweiser übersehen hatte, aber nachdem wir den richtigen Weg mit der Muschel wieder fanden, waren wir bald wieder zusammen. An einem abschüssigen Weg um die Stadt herum, kam Winni zum Sturz. Gott sei Dank ist nichts weiter passiert. Endlich kamen wir zum Aussichtsturm. Wir dachten bald am Ziel zu sein, aber leider dauerte es noch eine zähe harte Stunde, bis wir endlich die Jugendherberge fanden. Das kühle Weißbier, konnte man förmlich in den Kehlen zischen hören. Bei der ersten Blasenbesichtigung entstand das Bild der nackten Füße am runden Tisch. Die Kleukheimer hielten sich unterwegs tapfer, aber am Abend war mit ihnen nichts mehr anzufangen. Verpflegung und Frühstück waren prima, wogegen die Unterkunft im Betonbunker zu wünschen übrig ließ. Eine kleine Anekdote liefert Eveline, als sie nach Mitternacht mit ihrem Ausweis auf die im Flur sich befindliche Toilette geht und anschließend nicht mehr ins Zimmer kommt, da sich die Türe mit dem Ausweis nicht öffnen ließ. Sie musste sich an der Rezeption eine neue Zimmerkarte holen.

Nach diesen Strapazen gönnten wir uns einen Ruhetag. Nach einer Andacht in der Kathedrale von Lausanne blieb Zeit für eine Stadtbesichtigung und für ein Mittagsschläfchen im Schatten an der Uferpromenade des Genfer Sees. Statt der geplanten Schifffahrt ab Prevergens fuhren wir gleich ab Lausanne über den See nach Nyon. Am Südufer hatten wir die erste Berührung mit Frankreich, da dieses schon französisch ist. So ein angenehmer Tag ist auch mal nötig zum Reflektieren der bisherigen vergangenen Tage. Bis wir am Abend den Bauernhof der Familie Baumgärtner, mit dem kleinen verwunschenen Schlösschen erreichten, waren trotzdem über 10 km Weg zusammengekommen. Abendessen gab es in der Pizzeria beim nahe gelegenen Tennisklub.

Nach einem guten Frühstück mit Naturprodukten vom Bauernhof, machten wir uns auf den gut 20 km langen Weg nach Versoix. Immer am See entlang, mal laut mal leise, je nach Verkehrslärm. Das kleine Hotel, fanden wir ausnahmsweise sehr schnell und verbrachten einen schönen Vollmondabend am Seeufer.

Die letzte Etappe führte uns immer am See entlang nach Genf, 12 km auslaufen. Nach einer Wegbiegung war sie plötzlich da „la Fontaine“ das Wahrzeichen von Genf, mitten in der Genfer Bucht. Über einen botanischen Garten und die „Perle des Sees“ erreichten wir die Uferpromenade. Lac Leman, der größte Trinkwasserspeicher Westeuropas, grösser als der Bodensee, 73 km lang, 14 km breit und 350 Meter tief. Schiffe kreuzen auf den blauen Wellen und im Dunst am anderen Ufer ist der Mount Blanc zu erahnen. 4800 Meter, der größte Berg Europas und der Alpen. Die Kulisse der Nobelhotels an der Promenade ist sehr beeindruckend. Im City Jugend Hostel sind wir gut und zentral untergebracht, aber bei der Hitze ist in den engen Zimmern an Schlaf nicht viel zu denken.

Der Samstag dient der Entspannung und Entschleunigung. Seele baumeln lassen, keine Eile, kein Ziel. Kultur atmen. Stadt besichtigen, Stadtrundfahrt, mit den Linienbooten quer über den See, nochmal in Ruhe den botanischen Garten und die Perle des Sees besichtigen. Zum Abschluss dann die Love Parade. Schrille Gestalten und laute Musik, wie bei unserem Faschingsumzug, trinken, jubeln, lachen, fröhlich sein, viele Fotos schießen und wir mitten drin. Und zur Krönung, gehen wir noch einmal über den schmalen Damm und laufen unter der Fontaine durch. Ein toller Abschluss!

Der Sonntag ist unser Rückreisetag. Etwas wehmütig, sehen wir dem Ende unserer diesjährigen Pilgerreise entgegen. Die Deutsche Bahn, hat ihren Ruf bestätigt, volle Züge, Verspätungen versagende Klimaanlagen im ICE, 50 Grad im Abteil. Zum Glück hatten wir uns diesmal mit Getränken vorgesorgt. Dann der wehmütige Abschied in Bamberg. Aber alles muss schnell gehen, da durch die Verspätungen jeden seinen Anschlusszug erreichen will. Beste Freunde, die wir inzwischen geworden sind, verabschieden sich, bis zum 15. August in Effeltrich, zur Einweihung von Markus Kapelle der Achtsamkeit oder bis zum nächsten Jahr, zum Weiterweg von Genf nach Le Puy.

Ich freue mich schon jetzt darauf und hoffe, dass alle gesund bleiben und wir gemeinsam den Camino weiterpilgern können. Danke euch allen, für die wunderschönen Stunden und Tage, die ich mit euch verbringen durfte. Besonders dem Albert gilt der Dank von uns allen, für die vielen Mühen der Wegfindung, der Organisation und Führung, auch der geistigen und spirituellen.

Hans Gaar, Oberküps

© 2011 Sankt-Jakobus-Bruderschaft Bamberg| Home | Kontakt | Links | Sitemap | Impressum |